Island, Teil 1

Um 4 Uhr morgens startet unsere Reise — ab zum Flughafen. Die Dame beim Check-In könnte einen Oskar bekommen für die schlechtes schauspielerische Darstellung von Kundenfreundlichkeit. Generell bekommt das Reisen mit dem Flugzeug immer mehr Ähnlichkeit mit Schlachtviehtransporten, wogegen diese immer humaner werden, aber wir haben es überlebt 😉 Der Flug von Düsseldorf nach Keflavik dauerte 3 ½ Stunden, in der Maschine haben wir nicht einmal einen Kaffee oder ein Wasser bekommen (außer gegen Bezahlung), im Gegensatz zum ersten Flug von Wien nach Düsseldorf, obwohl der gerade einmal 1 ½ Stunden dauerte. Seltsam, weil es die gleiche Fluglinie war. „Sehr geehrter Vorstand von Air Berlin! Bei 600 € müssen 2 Kaffee drinnen sein.“

Nach der Ankunft am Flughafen Keflavik haben wir uns einmal etwas zu trinken und ein paar Sandwiches gekauft, einige isländische Kronen gewechselt und dann den Autovermieter angerufen, weil wir nicht wussten wohin. Der war dann auch gleich da. Er war schon vorhin am Flughafen, weil er uns früher erwartet hat. Auffallend viele Asiaten tummeln sich am Flughafen.

Das Fahrzeug haben wir dann aber gleich bekommen, einen Nissan Qashqai Allrad mit Automatik. Ist ein kleiner SUV, sehr angenehm zu fahren, wie sich noch herausstellt.

Es ist gerade Mittag, also ist es hell, ein bisschen windig und die Temperatur liegt um die Null Grad. Die Landschaft ist ziemlich weiß, alles mit ein bisschen Schnee bedeckt, gerade so viel, dass das gelb vertrocknete Gras und Steine und Felsbrocken durchschauen.

Wir fahren gleich los, an die Südküste nach Grindavik, dort machen wir eine kleine Hafenrundfahrt und schauen zum ersten Mal aufs Meer.

Es ist unsere erste Reise nach Island, wir wissen nicht, wie hier alles funktioniert und was so üblich ist, schauen uns daher einfach alles an und probieren verschiedenes aus.

Von Grindavik sind wir dann der Küste entlang weiter nach Osten gefahren. Über die Flussmündung der Ölfusa führt eine Brücke, dort sind wir ausgestiegen, Seehunde schauen. Es ist windig und verschneit und uns ist etwas kalt. Wir sind erschöpft vom Flug und der langen Reise und deshalb auch noch nicht richtig gekleidet. Seehunde sind auch keine da. Also fahren wir weiter, durch Selfoss bis in unsere Unterkunft Vatnsholt, ein Gästehaus. Das Haus gehört offenbar zu einer Farm und liegt alleine in einer riesigen Ebene, alles Flach soweit das Auge reicht, nur in der Ferne am Horizont ein paar Berge. Die nächsten Nachbarn sind verstreut wie am Frankenfelsberg.

Alles ist ruhig, kaum Leute, die Rezeptionistin ist sehr freundlich und zeigt unser alles. Wir gehen auf unser Zimmer und ruhen uns aus. Nach der langen Reise und dann noch 120 km mit dem Auto machen wir an diesem Tag nichts mehr, außer dass wir uns ein Abendessen gönnen, es gibt hier Buffet. Wir sind hungrig, den ganzen Tag nicht viel gegessen, also gehen wir hinüber in das Gebäude mit dem Gemeinschaftsraum. Alles ruhig — solange bis ein Autobus eine Horde Holländer bringt, die wie Heuschrecken über das Buffet verfallen.

Die Übernachten auch hier, also wiederholt sich das Spektakel auch beim Frühstück wieder.

Am nächsten Morgen, 2.1.2017, brechen wir auf. Die Morgendämmerung beginnt um ca 9 Uhr, um 10 ist es dann schon halbwegs hell, richtig taghell ist es dann um 11. Unsere erste Sightseeingtour beginnt. Wir fahren nach Selfoss in einen Supermarkt, kaufen ein paar Sachen zum Essen und Trinken ein und gehen anschließend in eine Bäckerei noch einen Kaffee trinken und schauen uns grob an, wo wir hinfahren.

Erster Stop Kerid, ein Kratersee. Es ist noch nicht ganz hell, aber wir sind erstaunt, wie voll der Parkplatz ist und wieviel Menschen da unterwegs sind. Wir spazieren dort ein bisschen herum und fahren dann weiter.

In Laugaras fahren wir bei einem Tierpark vorbei, der hat aber geschlossen, also geht’s weiter nach Nordosten.

Auf dem Navi habe ich einen Aussichtspunkt mit einem Wasserfall eingegeben, irgendwo fahren wir dann aber von der Hauptstraße auf eine Nebenstraße ab, das Navi wird eh automatisch umrouten. Das war eine sehr gute Idee, keine Autos und irgendwann ist der Asphalt aus und wir fahren durch eine wilde Landschaft von Wiesen mit Islandpferden, Felsen und Farmen. Nach einiger Zeit kommen wir über eine schmale, einspurige Holzbrücke wieder auf der Hauptstraße zurück und zu dem Aussichtspunkt. Hier sind noch zwei, drei andere Autos, also nicht viel los. Ein großer Wasserfall ist hier zu sehen, der Faxafoss. Ich ziehe mich warm an und gehe bis nach unten, während Petra im Auto wartet. Ein paar Asiaten sind offenbar beeindruckt und gehen auch nach unten, denn die anderen Besucher hatten es gerade 10 Schritte aus dem Auto geschafft.

Anschließend fahren wir weiter, wieder über eine Nebenstraße. Unweit von hier ist Geysir, da wo man eine Vielzahl heißer Quellen sehen kann und einen Geysir, der alle paar Minuten ausbricht und alles bei diesen Temperaturen um 0° in dichten Dampf einhüllt. Menschenmassen, sehr viele davon sind Asiaten, wälzen sich hier an den heißen Becken vorbei. Wir brechen nach einiger Zeit weiter auf, wieder auf einer Nebenstraße, müssen aber wegen zu schlechter Bedingungen umkehren, entdecken dabei aber zufällig ein warmes Becken und weit und breit keine Menschenseele. 🙂

Wir fahren weiter bis zum Gulfoss, ein riesiger Wasserfall. Der hüllt sich leider ziemlich in Nebel, also kann man nicht viel sehen. Auch hier unbeschreibliche Menschenmengen. Wir wollten einen Kaffee trinken gehen, aber vor dem Visitorcenter ist der Parkplatz überfüllt mit Autos und Bussen, also fahren wir weiter und beschließen in irgend einer Ortschaft eine Kaffee trinken zu gehen.

Wir fahren zurück, natürlich nicht auf einer Hauptroute, sondern einer Nebenstraße, das haben wir jetzt schon herausgefunden. 😉 Dabei kommen wir durch Zufall an einer engen Schlucht vorbei, Bruarhlöd, wo die Hvitia durchfließt. Das ist derselbe Fluss, der über den Gulfloss fließt.

Durch eine sehr wilde, schöne Landschaft fahren wir weiter bis nach Fludir. Überall weiden Pferdeherden. Pferde sieht man hier wie bei uns Kühe. In Fludir gehen wir einen Kaffee trinken. Touristen verirren sich hier nicht viele her, wie es aussieht. Mittlerweile wird es wieder finster. Wir fahren wieder zurück bis nach Selfoss und gehen Burger essen und danach geht’s wieder nach Vatnsholt. Nachdem wir nur mehr diese Nacht hier gebucht haben, brauchen wir was Neues. Das stellt sich leider als ziemlich schwierig heraus, denn die meisten sind entweder ausgebucht, oder geschlossen – oder sind in einer Preiskategorie, die für uns nicht drinnen ist. Aber dann haben wir doch was gefunden und gebucht, für die nächsten beide Nächte. Die Gästehäuser, zählen zu den billigsten Varianten zur Übernachtung, da kostet ein Doppelzimmer pro Nacht zwischen 90,- und 150, €. Es war auch wieder ein langer Tag, ca. 240km sind wir gefahren.

Am nächste Morgen, 3.1., geht es wieder los. Beim Frühstück wieder das Holländermassaker, dann auschecken und weiterfahren. Die Technik kennen wir jetzt schon: Irgendwelche Sightseeingziele aus der Karte zufällig auswählen, am besten solche, die nicht entlang der Hauptstraßen liegen. Als App dafür verwenden wir OSMand mit der Openstreetmap-Karte, und das stellt sich als sehr genial heraus, weil hier sehr viel eingezeichnet ist.

Als erstes starten wir zum Uridafoss, ein Wasserfall der Thjorsa ganz in der Nähe. Dann fahren wir weiter nach Hella, tanken, Kaffeepause. Im OSMand finden wir zufällig einen Wasserfall ganz in der Nähe, der Ägissidufoss. Wir machen einen Spaziergang. Ein Pärchen begegnet uns am Rückweg. Danach fahren wir weiter und biegen von der Hauptraße ab und fahren zum Gluggafoss. Ein sehr hoher Wasserfall, der tief ins Lavagestein eingeschnitten ist. Der Fluss kommt von einem Hochplateau. Ich wandere neben dem Wasserfall nach oben auf das Plateau. Es kommen dahinter noch zwei weitere eben so hohe Wasserfallstufen zum Vorschein, die man von unten gar nicht sehen kann. Schuhabdrücke von anderen gibt es hier nicht. Es sind zwar ein paar Wege ausgetreten, aber die sind vermutlich eher im Sommer in Verwendung.

Wir fahren weiter, kommen noch bei vielen sehr schönen Wasserfällen vorbei, wo wir aber nicht extra stehen bleiben und steuern unser nächstes Ziel an, Dyrholaey. Es ist der fast-südlichste Punkt Islands (Am südlichsten Punkt, der unmittelbar in der Nähe ist, steht aber kein Leuchtturm 😉 ). Ein Hügel mit einer Steilküste, und Felssäulen im Meer und ein riesiges Felsentor. Die Brandung des Atlantik hört man bis nach oben grollen. Auf dem Hügel steht ein Leuchtturm mit Gebäude, ein starkes weißes Leuchtfeuer für die Schifffahrt.

Danach fahren wir wieder zurück, umrunden einen Tafelberg, den Petursey, abseits der Hauptstraße und bleiben danach stehen und unternehmen eine Wanderung zu einem Flugzeugwrack, dass an der Küste abgestürzt ist. Fast vier Kilometer sind es vom Parkplatz bis dorthin. Das Wrack liegt nicht weit von der Küste entfernt. Es ist eine weite Schotterebene. So flach und glatt als wäre sie mit einem Traktor abgezogen worden, wie ein Reitplatz. Zwischen drin liegen immer wieder größere Felsbrocken. Da kann man in der Dämmerung Seehunde, Trolle und andere Gestalten erkennen. Im Landesinneren schließt sich an die Ebene direkt eine mächtige Bergkette an, die mit einem Gletscher bedeckt ist. Das ist der Vulkan Katla, der vom Myrdalsjökull bedeckt ist. Etwas weiter im Westen befindet sich der Eyjafjallajökull, auch ein Vulkan, der seit einigen Jahren sehr berühmt ist. 😉

Wir gehen auch noch nach vor bis zum Sandstrand. Schwarzer Sand und große Atlantikwellen brechen sich darauf.

Danach geht es wieder zurück, eine ¾ Stunde auf der Hauptstraße Nr. 1, die Ringstraße um Island, in unsere neue Unterkunft in der Nähe der Stadt Hvolsvöllur, wo wir danach noch Burger und Pizza essen gehen.

Island ist wunderschön, ein sehr tolles und abenteuerliches Land. Die Isländer selbst sind sehr freundlich und zuvorkommend. Wir freuen uns schon auf die nächsten Tage 🙂


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