Island, Teil 2

Am 4.1. sind wir erst um 8:45 zum Frühstück gegangen, weil das Frühstück hier in der Aurora Lodge erst von 9-11 Uhr ist. Vielleicht gibt es ja schon Kaffee. Im Gemeinschaftsraum ist allerdings schon die Hölle los. Alles voll Asiaten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit Chinesen, hat eine Google-Befragung ergeben. Die meisten in voller Montur beim Frühstückstisch, also dicke Jacke mit Pelzkragen und Haube.

Wir finden noch einen freien Tisch und frühstücken auch – im T-Shirt. Die Isländer haben immer gut eingeheizt, es ist daher überall sehr gemütlich. Kalte oder schlecht geheizte Häuser oder Räume sind einfach ungemütlich. Das es drinnen immer so warm ist, ist sehr angenehm in Island.

Ursprünglich wollten wir eigentlich in die Gletscherlagune Jökulsarlon fahren, haben aber am Abend unseren Plan geändert und beschlossen an diesem Tag einmal weniger zu machen. Also brechen wir auf nach Stokkseyri, dort gibt es ein Museum. Wir fahren auf dem Weg dorthin wieder einmal durch Selfoss durch, das kennen wir jetzt schon 🙂

Der Himmel ist blau wie wir wegfahren, aber es zieht immer mehr zu, wird zunehmend windig und beginnt zu regnen. In Stokkseyri ist das Museum geschlossen. Also fahren wir durch den Ort, ob wir etwas anderes finden.

Da ist eine alte Hütte aus Stein, wie sie von Fischern zwischen dem 17ten und 19ten Jahrhundert gebaut und bewohnt wurden. Das Dach ist ein Rasendach, das von einer Holzkonstruktion gestützt wird. Drinnen sind Betten, die mit Fellen ausgelegt sind. Viel Platz ist nicht, aber bei dem windigen und regnerischen Wetter, wie heute, kann man sich schon vorstellen, dass es da drinnen mit einem kleinen Feuer sehr gemütlich sein kann.

Danach machen wir einen kurze Wanderung an der Atlantikküste und sammeln ein paar Muscheln. Mit der Ölzeugjacke bin ich bestens gerüstet. Der Regen kommt waagrecht und es hat ca. +3°, also das ideale Wetter zum Muscheln sammeln 😉

An dieser Stelle sind Lavafelder bis ins Meer. Die Stammen von einem Vulkanausbruch von vor mehreren 1000 Jahren, wo die Lava angeblich besonders heiß und flüssig war und deshalb vom Vulkan bis zum Meer 25 km weit geflossen ist. Es ist das längste Lavafeld der Erde.

Danach gehen wir einen Kaffee trinken, um uns wieder aufzuwärmen.

Später fahren wir dann wieder zurück nach Selfoss und gehen in ein Restaurant was essen. Ich hatte mich schon für den „Fisch des Tages vom Atlantik“ entschieden, als ich das Steak entdeckt habe: „Tenderloin of horse“ – wir sind ja noch ein paar Tage da, dass muss ich nachholen.

Am Abend fahren wir zurück in unsere Unterkunft in die Aurora Lodge und genießen eine heiße Dusche. Das Warmwasser riecht leichte Schwefel, weil es direkt aus der hauseigenen heißen Quelle kommt.

Hier in der Nähe von Hvolsvöllur (ausgeprochen ca. „Kwollsvötlür“) war das Wetter wieder etwas freundlicher als an der Atlantikküste, aber um ca. 10 Uhr nachts setzt ein Sturm ein, der den Regen direkt auf unsere Fensterscheibe weht und die ganze Hütte knarrt. Aber herinnen ist es schön warm, wie überall in Island.

Der Sturm hält die ganze Nacht an. Wir sind um 7 wieder auf, leider gibt es Frühstück erst um 9. In einem Buch über Island habe ich gelesen, dass heiße Bäder am meisten Spaß machen, wenn das Wetter besonder schlecht ist. Also beschließe ich die „heißen Töpfe“ des Hauses zu benutzen.

Hinter Hotelanlage befinden sich zwei „heiße Töpfe“, das sind Sitzbecken die mit dem Wasser aus der heißen Quelle gefüllt sind. Diese hier haben 38 bis 44°. Am ersten Abend habe ich sie besichtigt, bei -4° Außentemperatur. Da waren wir aber schon erschöpft vom gestern Tag, aber jetzt war die Gelegenheit. Also geh ich Duschen und laufe dann – bekleidet nur mit Badehose – durch Regen und Sturm bei +3° Außentemperatur über den Hof hinüber zu heißen Töpfen 🙂

Große Enttäuschung, die sind leider leer. Ich habe ein Pech, denn die wurden nur zum Reinigen ausgelassen und sind am nächsten Tag wieder benützbar. Schade, denn wir checken aus. Also hinein in die chinesische Frühstücksschlacht.

Nachdem Auschecken starten wir los, einmal grob in die Richtung unserer neuen Unterkunft. Wir fahren dabei bei dem berühmten Nationalpark Þingvellir (der erste Buchstabe heißt „Thorn“ und wird wie das englische „th“ ausgesprochen.) vorbei, wo man an der Bruchsstelle der eurasischen und amerikanischen Platte wandern kann. Wir fahren die meiste Zeit auf nicht ausphaltierten Nebenstraßen, wo uns kaum ein Auto begegnet. Im Laufe der Zeit sinkt die Temperatur +5 auf -2° und ein Schneesturm kommt auf. Das macht uns aber nichts aus, also gehen wir wandern, denn es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Ausrüstung 😉

Danach fahren wir weiter. Irgendwo bleiben wir zwischendurch stehen auf einen Kaffee. Im Visitorcenter in Þingvellir waren zu viele Menschen. Danach geht es weiter wieder bis zum Atlantik und dann nach Norden. Auch hier wieder viele Islandpferde, die dem Schnee und dem Wind trotzden.

Die Straße schneidet hier eine große Bucht ab, aber nicht mit einer Brücke sondern einem Meerestunnel. Ein sehr komisches Gefühl unter dem Meer durchzufahren, vor allem auch, weil der Tunnel ständig bergab geht bis auf 164 m unter Meeresniveau um dahinter dann wieder relativ steil anzusteigen, bis man wieder draußen ist. Die Maut kostet 1000 isländische Kronen, ca. 8,70 €.

Letztendlich kommen wir bei unserer neuen Unterkunft an, dem Hotel Hafnerfjall. Ebenfalls ganz einzeln gelegen, Hinter dem Haus ein Vulkan, davor der Atlantik. Wir sehen aus dem Fenster direkt aufs Meer, woher allerdings gerade ziemlich der Wind peitscht.


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